
Kölner Illustrierte, Januar 2005
Messias
Theater Tiefrot 28. - 30.12.
Sie haben sich viel vorgenommen - die beiden ambitionierten Laien - Schauspieler Theodor und Bernhard in Patrick Barlows Komödie "Der Messias". Denn sie wollen ihrem Publikum die biblische Weihnachtsgeschichte, die bekanntlich viel Personal benötigt, zu zweit und ganz neu präsentieren. Daher fungieren sie nicht nur als Organisatoren, Animateure und Regisseure, sondern auch als Darsteller aller Rollen, seien es Maria, Josef, Gott, Erzengel Gabriel, Herodes, Hebamme, römische Soldaten, Hirten oder Kamel.
Barlows liebevoll erzählte Satire auf die Weihnachtsgeschichte, entpuppt sich unter der Regie von Daniel Fischer als wahres Theatervergnügen. Denn der Esprit und der Witz, mit denen Theodor (Guido Fischer) und Bernhard (Björn Jung) ihre vielseitigen Aufgaben zu erledigen versuchen, überträgt sich von Anfang an auf das Publikum.
Dem gut eingespielten Duo gelingt es nicht nur, die tragisch-komischen Momente im Leben Marias und Josefs, wie etwa deren Ehestreitigkeiten, Josefs Probleme mit der unbefleckten Empfängnis seiner Frau oder Marias Niederkunft, überaus lebensnah nachzustellen. Sie schaffen es auch, das Publikum gekonnt mit einzubeziehen. Und so grölt es als wogende Volksmasse dem Kaiser missmutige Sprüche entgegen oder fungiert mit Vergnügen als Klangkulisse für die Hirtenszene. Zudem sorgen die Momente, in denen Theodor und Bernhard aus ihren Figuren aussteigen, um sich über ihre Schauspielerallüren zu streiten, für ausgelassene Stimmung.
Am Ende verlässt man die skurril-schräge Vorstellung mit dem Gefühl, sich köstlich unterhalten zu haben. Was nicht zuletzt dem hervorragenden Zusammenspiel des Duos und der brillant eingesetzten Situationskomik zu verdanken ist.
......................................................................................................................................................
Mendener Zeitung, 10.12.05
(Jutta Rudewig)
Der Heiland kommt auf einer Patchworkdecke
KABARETT "fischer & jung" präsentiert vor über 100 begeisterten Gästen im Alten Ratssaal die etwas andere Weihnachtsgeschichte
MENDEN - Das Warm-up des Publikums war - gemessen an anderen Veranstaltungen in dieser Stadt - in erstaunlich kurzer Zeit erledigt: Guido Fischer und Björn Jung hielten sich nicht lange auf damit, weit über 100 Gäste im Alten Ratssaal aufzutauen. Die tauten von selbst. Die Nachzügler wussten sofort, dass sie zu spät dran waren, weil eigens für sie der letzte Satz wiederholt wurde. Und der Herr in der ersten Reihe war schon nach wenigen Kabarett-Minuten zum weltbesten An-Marias-Tür-Klopfer degradiert.
Die Premiere, mit der die heimische Bücherei am Donnerstagabend aufwartete, darf getrost als gelungen betrachtet werden. Bauchschmerzen, die erste kabarettistische Abendveranstaltung in der Stadtbücherei mit Publikum füllen zu können, erwiesen sich als unbegründet. Das Stück "Der Messias", in feinster Monty-Python-Manier dargebracht, mag umstritten sein. Doch was die einen als gotteslästerlich betrachten, war für die anderen eine willkommene Abwechslung im Glühwein-Einerlei der Vorweihnachtszeit. Die Weichnachtsgeschichte mit den Protagonisten Theo und Bernhard - der eine stets väterlich-jovial, der andere sich unermüdlich an der Grenze zur Blödheit bewegend - geriet vom ersten Kopfen an Marias Tür bis zur Geburt Christi zu einem Dauerarrangement an schwarzem Humor.
Immer wieder unterbrochen von dem persönlichen Kleinkrieg zwischen Theo und Bernhard lieferten das Ensemble "fischer & jung" die Ehe-Probleme Marias und Josefs ebenso wie die Beratung zwischen Gott und seinem Erzengel Gabriel über das Schicksal der Welt oder die durchaus nachvollziehbare Diskussion über die unbefleckte Empfängnis zwischen Maria und Josef. Das Publikum wurde zur brodelnden Menschenmenge umfunktioniert, die sich mit herben Worten wie "Verpiss Dich" und "Scheiß-Kaiser" gegen die Übermacht der römischen Imperatoren auflehnte. Kurzum: Rein pragmatisch und fernab jeglicher christlicher Verbundenheit kann man sich gut vorstellen, dass es "so" gewesen sein könnte. Dem Ensemble ist sicher keine Blasphemie vorzuwerfen, eher die gelungene Umsetzung eines Theaterstückes aus der Feder des britischen Autors Patrick Barlow, für das man halt Weltoffenheit und Humor haben muss. Auch wenn die Ankunft des Heilands auf einer Patchworkdecke mit Unterstützung einer männlichen Hebamme auf der Holzbühne im alten Mendener Ratssaal stattfindet.
Guido Fischer und Björn Jung werden ohne Zweifel eine bleibende Erinnerung hinterlassen. Und den Wunsch nach weiteren Abendveranstaltungen im Schatten der Vincenz-Kirche.
......................................................................................................................................................
Ruhr Nachrichten, 17.09.04
Zickige Maria zankt mit Josef
Schauspiel-Duo gab Debüt mit Barlows "Messias" im Queue
Richtige Weihnachtsstimmung wollte Mittwochabend im Cabaret Queue noch nicht aufkommen - obwohl Adventslieder leise aus den Boxen klangen und sich Maria und Josef auf der Bühne aufmachten nach Bethlehem. Begleitet von 100 Zuschauern im ausverkauften Saal, die gerne in die Rollen von Ochs und Schafen schlüpften.
Die Geschichte zweier Laien-Schauspieler, die ein Stück mit den Mitteln des Improvisationstheaters auf die Bühne bringen wollen, haben Björn Jung und Guido Fischer in Daniel Fischers Inszenierung von Patrick Barlows Kult-Komödie "Der Messias" in den Vordergrund gerückt. Und die eigentliche Weihnachtsgeschichte dabei ein wenig zurückgestellt. Fast eine Stunde dauerte es, bis die Tempelnäherin Maria mit ihrem Josef frischverheiratet zankte und keifte. Glücklich scheint diese junge Ehe nicht gewesen zu sein.
Der schwarze Monty Python-Humor ist allgegenwärtig in der Inszenierung, mit der sich das Duo erstmals in Dortmund vorgestellt hat - und empfohlen hat für hoffentlich viele weitere Gastspiele auf anderen Kleinkunstbühnen. Virtuos bespielen Björn Jung und Guido Fischer nur ca. vier Quadratmeter auf der Bühne, fast ganz ohne Requisiten und mit wenigen Kostümteilen schlüpfen sie in alle Rollen der Weihnachtsgeschichte.
Wunderbar zickig spielt der Dortmunder Björn Jung die Maria, patent die Hebamme Josefine und kämpferisch Quirinius. Sein Kollege Guido Fischer ist großartig als Bürgermeister von Nazareth, der es mit dem erzürnten Volk (Publikum) zu tun bekommt, und flattert als Karikatur eines Erzengel tollpatschig in die Herzen des Publikums.
Auf den Auftritt von Opernsängerin Erna Timm, den Patrick Barlow in seinem Theaterspaß auch eigentlich vorgesehen hat, haben die beiden Schauspieler in ihrer Inszenierung verzichtet. Dafür spannen sie das Publikum als Schafherde und Volksmenge mit ein.
Vom trockenen Humor zwischen den Spielszenen und vom Zwist zwischen beiden Schauspielern Bernhard und Theo, die diesen "Messias" auf die Bühne bringen sollen, lebt Barlows Komödie. Beides präsentieren Björn Jung und Guido Fischer mit überquellender Spiellust, mit hinreißender Mimik und viel Sinn für britischen Humor. JG
..............................................................................................................................................................
Westfälische Rundschau, 23.12.04
(Dana Risse)
Himmlische Komödie - chaotisch und witzig
HAGEN - Es ist die Zeit der Weihnachtsfeiern. So auch im Lutz. Doch die junge Bühne des Theaters wollte mit ihrem Publikum feiern. Und deshalb engagierte Leiter Werner Hahn vor drei Wochen die Theatertruppe "fischer und jung" mit ihrer chaotischen und höchst amüsanten Version der Weihnachtsgeschichte.
"Der Messias" wurde verfasst von dem britischen Autor Patrick Barlow. Wenn man die Darsteller auf der Bühne sieht, ist das schwer vorstellbar. Sie schienen ohne Konzept auf dilettantische Weise dem Publikum die dramatische Geschichte von Maria und Josef näher bringen zu wollen. Doch genau das war das Konzept von Regisseur Daniel Fischer.
Theodor (Guido Fischer) und Bernhard (Björn Jung) geben eine überzeugende engagierte Laienspieltruppe, die in Ermangelung anderer Aktiver sämtliche Rollen ihres Stückes übernimmt. Das Chaos ist vorprogrammiert und die Komik inbegriffen. Die Geburt eines Babys, dargestellt von zwei Männern, entzog der Geschichte jegliche Heiligkeit, glitt aber nicht in Kirchen- oder Religionskritik ab. Vielmehr gaben die Schauspieler vor, es ernst zu meinen. Und darin lag der vermeintlich ungewollte Witz. Auch das Publikum konnte sich nicht zurücklehnen, sondern schlüpfte wahlweise in die Rolle der Massen von Nazareth oder einer Schafherde mit Hund. Da blieb kein Auge trocken.
Hinzu kamen die Animositäten der Freunde untereinander. Nach der Pause entflammte ein vehementer Mimenzoff. Im Vorfeld hatte Theo den Bernhard in eine Kiste gesperrt, trotz Platzangst. Gut, der spielte gerade den Herodes, der in seinen Katakomben nach dem Messias sucht. "Bleib in deiner Rolle", hörte er nur noch. Urkomisch waren die Streithähne, die, um zu sich selbst zu finden, kurzerhand eine Szene wiederholten und mit ihren eigenen Problemen verwoben. Am Ende waren die Zuschauer um vielfältiges Detailwissen reicher; Von Maria, die mit ihren 14 Lenzen vom Leben mehr erwartet als 30 Meter lange Tempelvorhänge zu weben, und von Josef, der sich als Zimmermann zu Größerem berufen fühlt, nämlich zum Schiffbau. Auch wenn es in der syrischen Wüste dafür keinen Bedarf gibt. Ob Gott das gefallen hat? - "Du und dein Messias, ihr seid da oben gar nicht so gut angekommen", erklärt Engel Roswitha zum Schluss. Macht nichts, beim zahlreichen Publikum kam er an. Eine echte Botschaft war zwar nicht auszumachen, aber herzhaft gelacht wurde.
...................................................................................................................................................................
Westfalenpost, 10.12.05
(Katrin Figge)
Skurrile Bibelstunde: Von Josef zum Kamel
Weihnachtskomödie "Messias" begeisterte Publikum im Ratssaal
MENDEN - Saisonal angepasstes Theater gab's am Donnerstag im Alten Ratssaal: In seinem "Messias" stimmte das fischer und jung ensemble mit viel Wortwitz und Situationskomik auf das Fest der Liebe ein - und erntete dafür den Applaus eines Publikums, das bei diesem Stück viel zu lachen hatte.
Das beruhigte die Gemüter: Selbst die heilige Familie im fernen Nazareth blieb von Ehestreitereien nicht verschont. Und die fingen schon bei ihrem ersten Date an, zumindest, wenn es nach dem Autor Patrick Barlow geht. Denn in seiner schrillen Komödie "Messias" gind er nicht eben sacht mit der Weihnachtsgeschichte um - ohne auch nur einmal den Respekt zu verlieren.
Sein skurriler Querschnitt bereitete nicht nur die Geburt Christi humoristisch auf, sondern gab auch einen Einblick in bisher Unbekanntes: in die Eheprobleme der heiligen Familie, in eine verstörte Schauspieler-Seele und in den Putzfimmel Gottes.
Das fischer und jung ensemble meisterte die Gratwanderung zwischen Comedy und Pietätlosigkeit ohne Probleme. Virtuos verstanden sie es, von einer Rolle in die andere zu schlüpfen: Von Josef zum Kamel, von einer Hebamme zu Gott. Und alles in alter Monty Python-Manier.
Ein zweiter Handlungstrang erschwerte die Sache: Nicht nur spielten Fischer und Jung ein Theaterstück - auch und vor allem spielten sie Schauspieler, die ein Stück spielen. Immer wieder fielen sie aus der Rolle und trugen zwischen und in den Szenen ihre Fehden aus. Doch auch diese Hürde nahm das Duo mit Bravour - dieser Kunstgriff ist auch nicht eben neu.
Die Veranstaltung sei die erste seit Jahren gewesen, die von der Dorte-Hilleke-Bücherei selbst organisiert wurde, so Veronika Cerwinski. Und dem zum Bersten gefüllten Ratssaal gab die Leiterin der Mendener Bücherei noch mit auf den Weg: "Aber wenn Sie in der Pause viel essen und trinken, dann wird's auch nicht die letzte gewesen sein."
Kölnische Rundschau, 24.05.04
Angriff auf die
Lachmuskeln
(Von HANNA STYRIE)
PULHEIM. Zugegeben, es mutet schon etwas eigenartig an, wenn man im Wonnemonat Mai mit Weihnachtsliedern beschallt wird und vor der Bühne ein festlich geschmückter Tannenbaum leuchtet. Aber „Der Messias“ von Patrick Barlow ist ja ohnehin kein klassisches Weihnachtsstück. Der englische Schauspieler und Autor hat vielmehr eine schräge Groteske geschrieben, über die sich die Zuschauer, die die Reihen im Theater Walzwerk komplett füllten, auch an einem Frühjahrsabend köstlich amüsierten.
Schrill, skurril und „sehr britisch“ kommt Barlows Version der Weihnachtsgeschichte daher. Guido Fischer und Björn Jung feierten mit der anarchistischen Respektlosigkeit, bei der Daniel Fischer Regie geführt hatte, eine umjubelte Premiere. Zwei Stunden lang hatten sie sich erfolgreich an einem Stück personalintensiver Weltliteratur ausprobiert, in dem sie selbst mutig alle Rollen übernehmen: Maria und Josef, Erzengel Gabriel, König Herodes, die römischen Soldaten Quirinius und Lukullus, Hebamme, Hirten, Schaf und Kamel - ein ziemlich waghalsiges Unterfangen, das sie mit gewaltigem körperlichen und mimischen Einsatz bravourös bewältigten.
Zartbesaitete Gemüter mögen sich ab und an in ihren religiösen Gefühlen verletzt gesehen haben. Der große Rest aber schlug sich vor Vergnügen auf die Schenkel, wenn Fischer und Jung in Windeseile die Rollen wechselten und sich mit wenigen Requisiten immer neu ausstaffierten. Egal, ob sie einen Ehekrach zwischen Maria und Josef spielen, ob sie als Erzengel einschweben, galoppierende Soldaten mimen, die Niederkunft Marias nachstellen oder zwischendurch noch private Konflikte austragen - im Saal blieb kein Auge trocken, wurde gejubelt und gejuchzt.
Richtig in Fahrt kam das krause Lustspiel, als das Publikum mit einbezogen wurde und dem Kaiser entgegengrölen durfte. Guido Fischer und Björn Jung legen sich mächtig ins Zeug und bieten in manch einer Szene einen wahrlich zwerchfellerschütternden Anblick. Was den Körpereinsatz angeht, mit dem sie selbst dem Wüstenwind noch Ausdruck verleihen, sind sich die beiden absolut ebenbürtig. Dass sie die schweißtreibende Zwei-Mann-Show ohne Erschöpfungzustände bis zum Schluss durchhalten, zeugt von guter Kondition.
Etwas geschafft waren nach knapp zwei Stunden auch die Zuschauer, mussten sie doch einem Angriff auf die Lachmuskeln standhalten, wie man ihn im Theater selten erlebt.
.........................................................................................................................................................................................




