MÄNNERHORT ausführliche Presse

WAZ 28.10.2006 / Lokales / Essen
Verrückte Männerrunde - Das
Ensemble
Von Christoph Dittmann
Was für eine verrückte Männerrunde. In Stratmanns Theater geht mal wieder die Post ab, diesmal allerdings ohne Ruhrgebiets-Attitüde. Kristof Magnussons Komödie "Männerhort" ist kurzweiliges Schauspiel mit bissigen und zum Teil derben Pointen. Viel Action und jede Menge Schwung brachte das "Fischer & Jung Ensemble" in die Premierenaufführung.
Ja, das sind schon sehr unterschiedliche Typen - Helmut, Erol, Lars und Mario alias Olaf Bürger, Björn Jung, Guido Fischer und Marco Rudolph. Gemeinsam haben sie aber eines: Samstag für Samstag werden sie von ihren Ehefrauen zum Einkaufsbummel verdonnert. Und darauf haben die Vier nun wirklich überhaupt keine Lust. "Das Happy-Center ist unser Kreuzweg, das Shopping-Center unser Karfreitag", lautet ihr Credo.
Doch sie finden einen Zufluchtsort, den Heizungskeller des Centers. Der dient gleichzeitig als Einheitskulisse für das gesamte Stück. Mit wenigen Requisiten entsteht auf der intimen Bühne des Europahauses eine publikumsnahe Kammerspielatmosphäre. Ein altes Ledersofa rückt dabei immer wieder ins Zentrum. Hier sitzen die vier Männer in ihrem Hort, gucken Fußball, trinken Bier, essen Chips und Pizza. "Mensch, geht's uns gut in unserem Männer-Keller", heißt es anfangs noch.
Doch nach und nach steigt der Frust. Die Einkaufsprobleme entpuppen sich als handfeste Ehekrisen, die oft genug auch die Situation im Keller aufheizen. Die Grenze zur absoluten Ernsthaftigkeit wird dennoch nicht erreicht. Im Gegenteil, manchmal geht es doch sehr in Richtung Klamauk. Etwa, wenn der füllige Mario sich mit Frauenkleidern bestückt. Momente wie diese kommen beim Publikum besonders gut an.
Überhaupt ist die Stimmung ausgezeichnet. Allenfalls der Schlussbeifall fällt verhaltener aus als erwartet. Vielleicht liegt es ja am überraschenden Ende, das beinahe tragische Züge trägt: Helmut bleibt allein im Männerhort zurück, während sich alle anderen mit ihren Frauen wieder versöhnt haben.
Weitere Vorstellungen: 8. bis 10. November. Karten: 8 20 40 60.
Im Januar 2004 gründen Guido Fischer und Björn Jung das "Fischer & Jung Ensemble". Vier Monate später feiern sie mit der Komödie "Der Messias" die erste Premiere in Köln. Es folgen weitere Produktionen: Zunächst "Ladies Night", nun Kristof Magnussons turbulente Komödie "Männerhort". "Mensch, geht's uns gut in unserem Männer-Keller": (v.l.) Marco Rudolph als Mario, Björn Jung als Erol, Olaf Bürger als Helmut und Guido Fischer als Lars.
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NRZ 26.10.2006 / LOKALAUSGABE / ESSEN
Übungsgefühle in Zeiten des Geschlechterkampfs
von Nikolaos Georgakis
THEATER. Zum Lachen in den Keller: Die Komödie "Männerhort" feiert Premiere im Stratmanns. Kriege sind nicht lustig. Wirklich nicht. Wer jedoch zum Lachen in den Keller eines imaginären
Shopping-Centers geht, der kann die skurillsten Kollateralpointen des viel zitierten "Kampfs des Geschlechter" erleben. Der Untergrund als artspezifischer Lebensraum wahrer männlicher Identität ist
aktuell im Stratmanns Theater zu bestaunen. Die Premiere von "Männerhort" wurde am Mittwochabend sowohl von Frauen als auch von Männer mit heftigem Applaus honoriert.
So böse ist das Stück "Männerhort" also gar nicht - auch wenn die vier Jungs, die sich im Heizungskeller des Einkaufszentrums vor ihren wahl- und achtlos umher shoppenden Frauen verstecken, gern mal so richtig böse wären. Und wenn sie dann erst mal in Fahrt sind, dann verputzen Helmut, Erol, Lars und Mario am liebsten Pizza mit "Dreifach-Hackbällchen" und trinken Bier aus der Flasche. Gesprochen wird nur, wenn der Fernsehen ausfällt. Und der ist öfters außer Betrieb, fast zu oft.
Fast zweieinhalb Stunden dauert das Stück über die Kellergespräche dieser identitätsverwirrten Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Mit der Geschwindigkeit eines im Schlepptau seiner Frau watschelnden Ehemanns in der Abteilung für Damenobekleidung. Die Dialoge verlaufen dann im Stil von "Sagt Sie/ Sag ich dann/ Sagt Sie wieder". Aber dann kommt doch noch der Wortwitz des Stücks zum tragen. Etwa wenn die Männer ihre Charmeoffensive zwecks Frauen-Rückeroberung planen und, ähnlich der Bundeswehr in Zeiten des Sparzwangs, mit Wortplatzpatronen Übungsgefühle trainieren.
Großartig, wie sich die zunehmend verzweifelten Männerhort-Bewohner zwischen unzähligen Kleidungsständern hindurch, in das Innenleben ihrer Frauen einzudenken suchen. Vergebens. Viele Worte werden über die Sprachlosigkeit zwischen den Geschlechten verloren. Dabei gilt für Mann und Frau: Verschwendugslust kann Spaß machen.
MÄNNERHORT. Das "fischer&jung ensemble" gibt weitere Einblicke in den "Männerhort" im Stratmanns Theater am 8. und am 10. November. Karten kosten zwischen 15,50 und 23,50 Euro und sind unter Tel: 820 4060 erhältlich. Weitere Infos unter: www.stratmanns.de
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Kölner Stadtanzeiger KU 15.09.2006
Großes Beziehungs-Palaver im Männer-Idyll
Was haben Dessous und Latte macchiato mit Fußball und Dosenbier zu tun? Natürlich sehr viel: Diese und andere Mann-Frau-Klischees dröselt Kristof Magnusson in seiner Boulevardkomödie "Männerhort" am Beispiel des Kulturphänomens Samstagnachmittag auf. Vier Männer-Typen - der sensible Schriftsteller, die polygame Führungskraft, der sozial inkompetente Techniker und der einsame Wolf - sie alle entfliehen dem allwöchentlichen Horrortrip, mit den Frauen Shoppen gehen zu müssen, und verstecken sich im mit Sofa, Fernseher und Kühlschrank ausgestatteten Heizungskeller des Einkaufszentrums. Frei nach Hemingway üben sie sich dort in der Kunst, nicht mit Frauen zu diskutieren.
Frauen als ein notwendiges Übel? Alles nur Tarnung. Denn als die Beziehungen bröckeln, wackelt auch das Männer-Idyll. Teils derber Humor, der das Thema weiblich-männlich vier Akte immer wieder beleuchtet und dabei gibt es sehr viel zu lachen!




